Die Schweinepest und der Zaun

Tote Rehe. Kranke Wildschweine. Böser Zaun. Das ist die sehr verkürzte Zusammenfassung dessen, was gerade die Menschen in der Uckermark bewegt. Menschen, die auf tote Rehe hinter einem Zaun im Nationalpark Unteres Odertal blicken. Menschen, die gerne etwas ändern möchten. Wir wollen versuchen, dieses sehr emotional aufgeladene Thema mit Fakten anzureichern und dabei die Emotionen außen vor zu lassen. Es ist ein Versuch.

Eine digitale Zeichnung von Stephanie Fiebrig. Ein totes Reh liegt im Wasser vor einem Zaun,
Eine Illustration von Stefanie Fiebrig zum Thema ASP.

Anmerkung: Im folgenden Text findet ihr zusätzlich blau umrahmte Aufklapptexte, in denen zusätzliche Informationen stehen. Zum Ansehen einfach raufklicken.

Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

Die Antwort auf die Frage “Wie gefährlich ist denn die Afrikanische Schweinepest (ASP)” kommt auf die Perspektive der/des Fragenden an: Aus Sicht von Haus- und Wildschweinen ist die Krankheit mit das Gefährlichste, was dem Tier begegnen kann – abgesehen von einem Jäger.


Dem Gegenüber steht die Perspektive des Menschen: Die ASP ist nicht zoonotisch, das heißt, sie kann nicht vom Tier zum Menschen übertragen werden und deswegen gibt es eigentlich aus unserer Sicht (= Mensch) nichts zu befürchten

Warum das eigentlich? Man stelle sich vor, wir würden in einem Land leben, dessen Wirtschaft, Arbeitskräfte und Arbeitsstätten zu einem nicht unerheblichen Teil auf der Zucht und Verarbeitung von Schweinen basiert. Und jetzt stelle man sich vor, irgendetwas streicht einfach – sagen wir – eine gute zweistellige Prozentzahl (der Schweine) weg. Für Land und Leute wäre das eine Katastrophe. Nun, in diesem Land leben wir (Deutschland hat ca. 23,6 Millionen Schweine (2021) [4] ) und in der Uckermark leben davon cirka 70.000 (2016) [5]) und darum wird dieser Krankheit so viel Aufmerksamkeit geschenkt und drastische Maßnahmen wie zum Beispiel die Umzäunung von Gebieten werden vollzogen.

Warum steht da dieser Zaun?

Seit September 2020 sind in Deutschland Fälle der Afrikanische Schweinepest verzeichnet worden. Derzeit sind im Land Brandenburg (Stand: 04.02.2022) 2.396 bestätigte Fälle registriert – 27 davon im Landkreis Uckermark [6]
Aktuell ist davon auszugehen, dass sich die ASP in Brandenburg vor allem über die Grenze von Polen kommend nach Deutschland übertragen könnte, wenn wir ihr nicht weiterhin Einhalt gebieten.

Im August 2021 wurde der erste bestätigte Fall der ASP in der Uckermark registriert.

Nach einem festgestellten Fall werden großflächig Restriktionszonen, Sperrzonen, Sperrgebiete und Beobachtungsgebiete eingerichtet. Die Ge- und Verbote in diesen Bereichen werden durch die Landkreise per Allgemeinverfügung festgelegt und überwacht. Beispielsweise ist in Restriktionszonen der Transport von Tieren und deren Erzeugnissen untersagt. Sowohl Bestände von Hausschweinen als auch Wildschweine in diesen Zonen werden intensiv untersucht. Tritt die ASP bei einem Hausschwein auf, so ist nicht nur das einzelne Tier, sondern der gesamte betroffene Bestand zu töten, alles zu desinfizieren und die Kadaver unschädlich zu beseitigen [7].

Bekämpfung der Seuche

Für die Bekämpfung der ASP in der Uckermark ist rechtlich der Landkreis zuständig.

Koordination der
Maßnahmen

Für übergeordnete strategische Entscheidungen ist der Krisenstab verantwortlich. Die Koordination der Bekämpfungsmaßnahmen erfolgt auf Landesebene durch das Landes-Krisenzentrum Brandenburg.

Finanzierung der
ASP – Zäune

Alle Bundesländer beteiligen sich solidarisch an den Kosten dieser Zäune. Auch die Europäische Kommission hat sich im Sommer bereit erklärt, bei der Finanzierung zu helfen.

Nicht nur der wirtschaftliche Schaden wäre für die betroffenen Landwirte in so einem Fall enorm. Die Gefahr, dass ein Bestand von bis zu mehreren tausend Tieren gezielt getötet wird, kann durch die zuständigen Behörden nicht reaktionslos hingenommen werden. Die Behörden sind hier zu einem Handeln verpflichtet, um höhere Schäden zu verhindern.

Die Deichanlage im Nationalpark Unteres Odertal mag angesichts der derzeit im Internet verbreiteten Bilder als Standort denkbar ungeeignet für die Errichtung einer solchen Zaunanlage anzusehen sein. Zum Einen hindert der Zaun bei erhöhtem Wasserstand und Überflutung der Polder auch andere Tiere daran, sichere Ufer zu erreichen. Und zum Anderen ist er de facto auch ein Eingriff in die Schutzanlage Deich an sich. 

Deiche unterliegen strengen Nutzungsregelungen nach den geltenden Wassergesetzen. Sie dürfen in ihrer Funktionsfähigkeit nicht eingeschränkt werden. Eine Errichtung von baulichen Anlagen ist nur nach eingehender Prüfung im Ausnahmefall zugelassen [8].

Gleichzeitig ist der Deichverlauf der am einfachsten zu regulierende Grenzabschnitt zur deutsch-polnischen Grenze. Durch die Lage im Nationalpark Unteres Odertal mit seinen strengen Schutzbestimmungen und seiner Weitläufigkeit jedoch auch der am schwersten zu überwachende, wenn es um die Eindämmung der Wildschweinpopulation geht. Diese stellt in der Region schon länger ein Problem dar. Durch die Ungestörtheit (unter anderem) konnte sich der Wildschweinbestand hier teils so stark erhöhen, dass die Tiere die Deiche umgegraben und somit die Standfestigkeit und Schutzfähigkeit unterminiert haben. 

Hier klicken, um den Inhalt von www.arcgis.com anzuzeigen

Quelle: Die interaktive ArcGis-Karte mit den eingezeichneten Informationen zur Umzäunung wurde vom Landkreis Uckermark erstellt und ursprünglich hier veröffentlicht:
https://www.uckermark.de/index.phtml?La=1&sNavID=1897.1&mNavID=1897.1&object=tx,2203.735.1&kat=&kuo=2&sub=0

Die Errichtung des Zaunes auf der Deichanlage kann damit als logische Schlussfolgerung gesehen werden. Als Abwägung des geringsten Übels, das jedoch noch den größten Nutzen bringt.

Auch, wenn die ASP derzeit für den Menschen noch als ungefährlich gilt, ist nach geltendem Recht eine Ausbreitung der Seuche in die gesamte Bundesrepublik zu vermeiden. Zum einen aufgrund des wirtschaftlichen Schadens, der bereits jetzt entsteht (erste Länder haben bereits 2021 ein Importverbot von Schweinefleisch aus Deutschland verhängt). Zum anderen auch, um unnötiges Tierleid zu verhindern. Das mag in Anbetracht der Bilder toter Rehe wie Sarkasmus wirken. Jedoch ist die Alternative im schlimmsten Fall die Tötung und Entsorgung zehntausender bis Millionen Hausschweine und das Zugrundegehen tausender Wildschweine an der ASP.

Warum wird dieser Zaun jetzt zur Todesfalle?

Das Untere Odertal ist auch ein natürliches Überschwemmungsgebiet. Bei Hochwassern an der Oder wird in dem Gebiet großflächig Wasser aufgenommen. Die Zäune stehen dort an den Deichen: Wenn die Überflutungspolder bei Regen mit Wasser volllaufen, flüchten die Rehe vor dem Wasser. Der Zaun hindert sie am Weiterkommen. Da der Boden sehr feucht ist beziehungsweise die Rehe teilweise im Wasser stehen, können sie nicht über den Zaun springen. Die Tiere ertrinken, erfrieren im kalten Wasser oder sterben an Entkräftung. Die Zahlen schwanken. Die Rede ist von 19 bis 40 verendeten Rehen am Zaun (Stand 07.02.2022)

Gibt es eine Alternative zum Zaun?

Ja, theoretisch. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) hatte schon im vergangenen Jahr vorgeschlagen, präventiv gegen die Schweinepest vorzugehen. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Die Jäger sollen mehr Schweine schießen. Das machen sie zwar, allerdings mangelt es an Abgabestellen – so das viele Tierkadaver bei den Jägern liegen sollen. Außerdem schlug der BUND vor, weniger Mais anzubauen. Der ist nämlich eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Schweine und bietet außerdem einen Sichtschutz. Über beide Maßnahmen kann man sicherlich diskutieren. Sie sind jedoch nur begrenzt unmittelbar umsetzbar und ebenso nur begrenzt unmittelbar wirksam in der jetzigen Situation.

Der Leiter des Nationalparks Dirk Treichel fordert die Verlegung des Zaunes. Dadurch würde den Tieren der Wechsel auf trockene Gebiete möglich bleiben. Das Problem hierbei ist jedoch, dass mögliche Alternativen für einen Standort sich in Privatbesitz befinden. Nun muss eilig mit den jeweiligen Grundstückseigentümern verhandelt werden: Wer kann und möchte einen Zaun auf seinem Grundstück errichten? Wer darf dann die Grundstücke betreten, um das Gebiet zu kontrollieren? Und wie regelt man das mit der Zuwegung? Außerdem sind einige Gebiete noch immer Sperrgebiete, da sich hier Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg befinden.

Was wurde getan und was wird getan?

Nach der Kritik von Umwelt- und Tierschützern hat der Landkreis reagiert: 16 Rehdurchlässe wurden inzwischen in dem Zaun gebaut und 20 Zaunfelder von 1,20 Meter auf 80 Zentimeter heruntergebogen. Außerdem wurden Ausweichstellen angelegt, so dass die Rehe bei Hochwasser einen sicheren Weg finden können. Zusätzlich wurden bereits 77 Kleintierrampen gebaut. 25 Stück sind noch geplant. Außerdem werden regelmäßig Patrouillen durchgeführt, Wildtierkameras zur Beobachtung eingesetzt und Drohnen über das Gebiet geflogen.

Der Zaun wird bleiben. Aber noch vor dem Hochwasser im Frühjahr soll er an einigen Stellen umgestellt werden.


Lucas Löser

Ich bin in der Uckermark (~ Gollmitz) aufgewachsen und bin momentan in Sachsen-Anhalt (~ Halle a.d. Saale) wohnhaft, wo ich im Institut für Physik promoviere. In meiner Freizeit mache ich gern Fotos, spiele im Verein Volleyball und mache "irgendwas mit Computern und Internet". Hier im Uckermark-Blog kümmere ich mich eher um die Website selbst als die Vor-Ort-Recherche.

Dieser Beitrag hat 29 Kommentare

  1. Sylke Köhn

    Lieber Lucas,
    wo sind deine Ausführungen zu der Seuchengefahr durch:
    Badewanne voller toter Kadaver/teilweise ASP-infiziert – Weiterverbreitung durch das Oderwasser/Aasfresser/Touristen
    offene Poldertore, die von Polen kommend Wildschweine in die sonst eingezäunten Polderwiesen lassen
    Einfuhr von Futtermitteln aus dem ASP-Seuchengebiet Polen
    Übertragung durch den Menschen – weite Sprünge des Virus gehen nur über die Anhaftung am Menschen/in infizierten Fleischprodukten
    ASP-Funde bislang nicht im eingezäunten Bereich, sondern westlich des Zauns (Zaun war also keine Barriere für ASP) Einwanderung von Norden und Süden her
    Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung des Zauns – somit illegale Zaunroute
    usw.
    Es wäre schön, wenn du dich auch mit diesen Argumenten auseinandersetzt!

    Vielen Dank

    1. Lucas Löser

      Hallo Sylke,
      Danke für deinen umfangreichen Input. Die verschiedenen (auch zum Teil wie auch von dir genannten indirekten) Übertragungswege haben wir versucht im Aufklapptext „Übertragungswege“ kurz anzusprechen. Es ist natürlich richtig, dass so ein Zaun allein in keiner Weise ausreichend ist, um die Tiere davor zu schützen und hier eine große Palette an weiteren Maßnahmen notwendig ist (daher der Vergleich zum „Schweizer-Käse-Prinzip“).
      Die fehlende Umweltüberprüfung, die von dir und auch Tierschutzverbänden zurecht angemahnt wurde, haben wir tatsächlich bisher außer Acht gelassen. Mein Verständnis () dazu ist, dass bisher nicht geklärt ist, ob und wie diese stattzufinden hat. Sollte rechtlich entschieden werden, dass die im Voraus hätte stattfinden müssen, ist das natürlich ein schwerwiegendes Argument. Vermutlich wird dieser Entscheid für die Zukunft dann auch wegweisend sein.

      Liebe Grüße,
      Lucas

  2. Simone Mronga

    Danke für Ihren Versuch, Herr Löser. Es ist wichtig gut recherchierte Fakten zu erhalten.
    Ich befürchte jedoch, uns Herzbluttierschützer kann das nicht überzeugen. Es sind Wildtiere, die von uns Menschen eh kaum noch artgerechten Raum zum Leben finden. Nun auch noch diese Zäune, die ihren Lebensraum noch stärker eingrenzen. Nur um tierquälerische Mastanlagen zu schützen. Ich bin mir fast sicher, für die die wenigen Bio Bauern hier, die ihre Tiere respektvoll und artgerecht halten, würde dieser Aufstand nicht gemacht werden.
    Zum Punkt „Ein infizierte Schwein in der Anlage und der ganze Bestand muss getötet werden“
    Stimmt es, dass bereits zig Tausende Wildschweine (ich habe von 80.000 gehört. Keine Ahnung, ob das stimmt) nur auf Verdacht und Prävention abgeknallt wurden?
    Läuft das nach dem Motto „All animals are equal but some are more equal than the other.“?
    Ich bin immer wieder aufs Neue schockiert, wie roh und grausam der Mensch seine Überlegenheit gegenüber den Tieren ausspielt.
    Wieso müssen erst Rehe qualvoll verwenden, damit diese „Notlösungen“ eingerichtet werden. Wieso ist das nicht von Anfang im ASP-Maßnahmenplan mit bedacht worden? Die Antwort liegt auf der Hand. Es schien nicht wichtig genug, um sich darüber ernsthafte Gedanken zu machen. Kollateralschaden! Sind ja nur Wildtiere. Die besitzt niemand. Damit kann kein Geld gemacht werden.

    1. Lucas Löser

      Hallo Simone,
      Danke für deinen Kommentar. Unser Artikel hat nicht den Anspruch die Leser und Leserinnen von einer der Lösungen zu überzeugen. Es ist eine sehr komplexe Situation, bei der niemand von uns wirklich sagen kann er habe volle 100% Hintergrundwissen. Darum hier unser Versuch Fakten zusammenzutragen und ins Gespräch zu kommen. Und ich denke auch, ja, dass wenn der konstruierte Fall so wäre dass nur die wenigen Bio-Bauern betroffen wären, sicherlich weniger passiert wäre. Wie wir versucht haben darzustellen, ist der potentielle wirtschaftliche Schaden (insbesondere auch Arbeitskräfte) hier natürlich ein Treiber der Entscheidungen. Dementsprechend fürchte ich, dass dein Sprichwort hier durchaus wahr ist, auch wenn natürlich die bloßen Zahlen der Tiere -so kalt wie es klingen mag- hier noch zu berücksichtigen sind. Ich denke auch, dass durchaus Sachen hätten besser laufen können, aber das ist leider immer die Sache mit dem „nachher weiß man’s besser“. Ich glaube, und hoffe, dass vorher nicht das Gesamtausmaß der Entscheidung so bekannt war.

      Zu den 80000 erschossenen Wildschweinen: Ich habe davon nichts gehört und finde auch auf die Schnelle nichts. Es ist für mich auch schwierig zu begreifen, wo man dort rational abgrenzen würde bzgl. eines „Risikokontakts“. Ein Stall ist natürlich da eine ganz andere Sache, durch die räumlich eingeschränkten Bedingungen.

      Liebe Grüße,
      Lucas

      1. Cordula

        Hallo Lucas,
        Ntürlich hat niemand 100 % Hintergrundwissen, das erwarte ich auch von Dir nicht. Du schreibst aber: „Man stelle sich vor, wir würden in einem Land leben, dessen Wirtschaft, Arbeitskräfte und Arbeitsstätten zu einem nicht unerheblichen Teil auf der Zucht und Verarbeitung von Schweinen basiert. Und jetzt stelle man sich vor, irgendetwas streicht einfach – sagen wir – eine gute zweistellige Prozentzahl weg.“ Ich lese daraus, eine „gut zweistellige Prozentzahl“ unserer gesamten Wirtschaftskraft in Deutschland basiere auf der Zucht und Verarbeitung von Schweinen. Ich meine, dies ist Fake-News oder unlauteres Framing.
        Einmal gesurft und gerechnet:

        Laut GeVestor beträgt der Gesamtumsatz der 5 umsatzstärksten Branchen (NICHT ALLER!!!) in Deutschland
        1.177 Mrd EUR
        (https://www.gevestor.de/finanzwissen/oekonomie/rankings/das-sind-die-5-umsatzstaerksten-branchen-in-deutschland-766100.html),

        laut IG
        1.260,888 Mrd EURO
        (https://www.ig.com/de/trading-strategien/umsatzstaerkste-branchen-in-deutschland-190312) .

        Laut Statista (https://de.statista.com/statistik/kategorien/kategorie/18/themen/145/branche/landwirtschaft/#overview ) liegt der
        „Produktionswert tierischer Erzeugnisse in Deutschland“ bei
        27,4 Mrd EUR.

        Nach Destatis (https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Tiere-Tierische-Erzeugung/_inhalt.html#sprg486142) beträgt der Anteil der Schweine an der Schlachtmenge überhaupt ca. 65 %, die Eierproduktion erwirtschaftet aber auch 1,1 Mrd EUR des Gesamtumsatzes in der Produktiomn tierischer Erzeugnisse. D.h. nimmt man einen Produktionswert der Erzeugnisse vom Schwein von der Hälfte des Produktionswertes aller tierischen Erzeugniss an, liegt man wahrscheinlich nicht komplett daneben.

        Wie, um alles in der Welt, kommst Du zu so einer, Deine o.g. Aussage???

        1. Lucas Löser

          Hallo Cordula,

          dem ist, wie du extra nochmal gezeigt hast (danke dafür) natürlich nicht so. Die „gut zweistellige Zahl“ sollte sich hier auf die Schweine beziehen, die wir bei einem „Laufenlassen“ oder einer Durchseuchung der ASP verlieren (wie in den Sätzen davor in der Letalität gezeigt wurde). Auch hatte ich gehofft, dass es spätestens durch die Relation über die Anzahl der Schweine (23 Millionen Schweine vs. 83 Millionen Einwohner, also 3.6 Einwohner pro Schwein – das kann keine zweistellige Prozentzahl Wirtschaftskraft ergeben, außer wir bauen Hotels dafür 😉 ) klar sein sollte. Ich gestehe aber natürlich ein, dass der Satz im Vakuum so missverständlich wäre und werde gleich eine kleine Klammer mit „(..der Schweine)“ hinzufügen, damit das nicht noch einmal passiert.

          Tut mir Leid, dass du dich deswegen jetzt sicherlich etwas aufgeregt hast- wäre mir auch so gegangen. Und danke dass du darauf hingewiesen hast.

          Grüße Lucas

          1. Cordula

            Hallo Lucas, Danke für Deine Antwort und die Korrektur Deines Textes. Es geht also um den Verlust einer gut zweistelligen Prozentzahl der Mastschweine bei einem „Laufenlassen“ bzw. einer Durchseuchung der ASP. Habe ich das richtig verstanden? Dann frage ich Dich: ist dieser Verlust tatsächlich der ASP geschuldet? Oder vielmehr der vorsorglichen Keulung aller Tiere eines Betriebes, wenn auch nur ein Fall der ASP nachgewiesen wird? Dies wäre jedoch auf unzureichende Biosicherheit des Betriebes zurückzuführen, nicht primär auf die ASP. Ich finde hier Präzision in der Kommunikation enorm wichtig. Wir sollten unterscheiden zwischen der ASP bei Wildschweinen und bei Mastschweinen. Mastschweine befinden sich in großen Betrieben, die ihre Bestände sichern müssen (Biosicherheit). In einer akuten Phase finde ich es auch durchaus okay, diese Betriebe mit staatlichen Hilfen zu unterstützen, wenn Tierwohl-Mindeststandards eingehalten werden. Allerdings ist auch die Schweinepestverordnung nicht Gott-gegeben sondern Menschenwerk. Und deshalb kann man sie kritisch reflektieren. An dieser Stelle könnte man ja auch weiterdenken, wenn es um die Wirtschaftlichkeit von Mastbetrieben geht.

          2. Lucas Löser

            Dazu siehe meine Quelle [1] und die erwähnten Quellen darin (großteils 44 und 45). Dort wird eine „case fatality rate“ (zu deutsch: Fallsterblichkeitsrate) benannt mit eben dieser großen zweistelligen Zahl. Das ist ausschließlich und eindeutig der Krankheit zuzuschreiben- alles andere wäre keine wissenschaftlich sinnvolle Aussage, weil man so beliebige Zahlen von 0 bis x erzeugen kann, je nachdem wie viele Schweine man gerade umbringen möchte (ganz kalt ausgedrückt). Natürlich bezieht sich diese auf Mastschweine, weil diese eben, so schlimm es klingt, leider eine optimale Testumgebung für solche Studien sind: Von der Außenwelt abgeschnitten, frei von den meisten Krankheiten und vor allem groß in der Zahl und in Kontakt miteinander, was stabile Zahlen gibt. Eine Extrapolation auf Wild wirkt durchaus legitim mit einer herabgesetzten Infektionsgeschwindigkeit. Ich habe auch Werte gefunden, die „nur“ im Bereich von 30% sind, aber dort scheint es systematische Abweichungen zu geben wie z.B. das Alter, Herkunftsland (-> Maßnahmen) etc. Um die aufzutrennen habe ich nicht genug Wissen und es ist sicherlich auch eher aktuelle Forschung als bereits vorhandenes Wissen.

            Ich möchte hier auch nicht die Mastwirtschaft in Schutz nehmen. Es ist , wie auch erwähnt, absolut notwendig, dass dort Vorkehrungen getroffen werden, weil ein breiter Maßnahmenkatalog erforderlich ist.

  3. Anja

    Der Vorschlag, den Zaun zu versetzen, wurde bereits früh, d.h. zu Beginn des Zaunbaus von Herrn Treichel gemacht und – wie auch andere Expertenstimmen – nicht berücksichtigt. Daher kann keine Rede davon sein, dass nun „… eilig mit den jeweiligen Grundstückseigentümern verhandelt werden“ muss. Hätten die Verantwortlichen sich tatsächlich rechtzeitig informiert, wäre das jetzige Tierleid zu vermeiden gewesen. Und genau dies ist das ursächliche Problem: Das von Politik und Verantwortlichen kein Dialog gesucht wurde, stattdessen einseitig und mit Rücksicht auf Wirtschaft und Massentierhaltung kurzsichtige Massnahmen beschlossen und eiligst umgesetzt wurden. Das Thema schwache bzw. Null-Kommunikation wird in diesem Stil weitergeführt und per Pressemitteilung aus dem Landkreis behauptet, es gäbe einen „Shitstorm“ und „Tierschützer“ seien für den Tod der Wildtiere verantwortlich. Da fällt es schwer, vermeintlich „sachlichen“ Argumenten zuzuhören.

    1. Aud Krubert

      Liebe Anja, vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben uns bereits auf Facebook die gleiche Nachricht geschrieben. Ich kopiere hier einfach meine Antwort, die ich Ihnen dort gegeben habe, rein.
      “ Ja, über die Kommunikation kann man tatsächlich streiten. Da hätten sich gleich zu Beginn mehrere Gruppen an einen Tisch setzen können. 👍
      Aber es nur als wirtschaftliche Interessen abzutun, finde ich auch nicht richtig. Wenn da tausende Schweine getötet werden müssen, weil ein Schwein (!) positiv ist, dann ist das mehr als nur ein wirtschaftlicher Schaden, oder?
      Dass der Zaun Wirkung zeigt, kann man sehr gut erkennen. Im Text war auch eine Karte verlinkt. Dort zu sehen sind die ASP-Funde in Polen und in Deutschland. Das ist eindrucksvoll. Ich glaube, wir müssen hier nicht über den Zaun diskutieren, sondern jetzt darüber reden, wie man alles vernünftig regeln kann.“

      Vielen Dank und viele Grüße,
      Aud

      1. David Krasemann

        Hallo Aud, die Tierkinder in der „Nutztierhaltung“ werden nach 6 Monaten getötet, nach einem kurzen Leben unter wiedrigsten Bedingungen. Macht es für sie einen Unterschied, einige Wochen länger unter solchen Umständen ihr Dasein zu fristen? Die Muttersauen als Gebährmaschinen würden natürlich länger als 6 Monate ausgenutzt, um am Ende auch geschlachtet zu werden.
        Das ist ähnlich wie bei den in Dänemark getöteten 17 Millionen Nerzen aufgrund zoonotischer Corona-Infektionen. Da war der Aufschrei aus der Bevölkerung groß. Sie wären jedoch ohnehin kurze Zeit später für ihren Pelz vergast worden. Es handelt sich daher ausschließlich um einen wirtschaftlichen Schaden der Tierindustrie. Schlimm wäre es meiner Meinung nach nur, wenn aufgrund der ASP auch Schweine auf Lebenshöfen getötet werden müssten.

        1. Aud Krubert

          Lieber David, wenn ich Ihren Kommentar richtig verstehe, ist der Tenor: Die Tiere sterben doch sowieso, dann ist es auch egal? Davon würde ich mich gern distanzieren.

          Nur kurz zur Tierhaltung: Ich glaube, unsere Gesellschaft ist noch lange nicht soweit, sich von der Tierhaltung (in welcher Form auch immer) zu verabschieden – auch wenn es schon lobenswerte Ansätze dafür gibt. Es geht da weit über die Nahrung und Existenzen hinaus.

          Aber – und jetzt komme ich zum eigentlichen Punkt – in dem Artikel geht es bei uns auch explizit NICHT um die (Massen-)tierhaltung. Von der ASP ist nämlich jedes Schwein betroffen: Egal, ob es gezüchtet, gehalten oder freilebend in der Natur ist. Der Zaun ist eine von vielen Maßnahmen, um die Schweinepest in den Griff zu bekommen. Maßnahmen, die Sie also (wenn ich Sie richtig verstehe) begrüßen müssten, da durch diese auch Wildschweinen das Leben gerettet wird.

          Schöne Grüße vom Uckermark-Blog-Team, Aud

  4. Carolin

    Außerdem vermittelt der Text leider Falschinformationen. Der Zaun wurde eben gerade nicht a u f der Deichanlage errichtet – wie die Nationalparkverwaltung jedenfalls hinsichtlich des östlichen Zauns von Anfang an gefordert hat – sodass die Tiere sich entsprechend auch auf den Deich retten könnten, sondern d a v o r inmitten der überfluteten Flächen.

    Gar nicht erwähnt wird darüber hinaus, dass Landwirtinnen und Landwirte in allererster Linie in der Verantwortung stehen, ihre Betriebe durch Biosicherheitsmaßnahmen wie eigene Einfriedungen und Hygieneschleusen etc. selbst zu schützen. Dass der Staat hier für die Interessen einer singulären Berufsgruppe in die Bresche springt, und das weitgehend ohne Rücksicht auf Verluste, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Entsprechendes habe ich etwa noch nie erlebt für die Interessen von Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Krankenpflegern bzw. -schwestern. Fraglich, warum gerade Landwirt*innen bei uns diesen Goldstatus haben.

    Ein Artikel ist nicht deshalb „objektiv“, weil er das verursachte Leid auf Zahlen reduziert, sondern weil er ausgewogen berichtet. Jedes tote Tier ist ein fühlendes Individuum, zu dessen Schutz wir uns grundgesetzlich bekennen.

    1. Elisa Schröder

      Liebe Carolin,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Falschinformation sehe ich hier nicht, denn der Zaun ist mitunter auch dann auf der Deichanlage errichtet, wenn er nicht auf der Deichkrone steht. Es ist natürlich immer schwer zu entscheiden, welcher Zaunverlauf der bessere gewesen wäre, es ist jedoch auch immer zu berücksichtigen, dass der Deich nicht nur ein Hügel in der Landschaft ist, sondern ein technisches Bauwerk, welches jederzeit zum Hochwasserschutz bereit und durch die zuständigen Verantwortlichen befahrbar sein muss.

      Sicherlich sind die Landwirt*innen auch in der Verantwortung ihre eigenen Bestände so gut es geht zu schützen. Dennoch sind die Verpflichtungen der zuständigen Behörde nach dem Tierseuchengesetz nicht auszuklammern. Hier geht es auch darum, die Verbreitung der Schweinepest in ganz Deutschland zu bremsen. Und bei einer Letalität wie bei der ASP ist das Leid und die Durchseuchung der Wildschweine ebenso in die Rechnung mit aufzunehmen wie der Tod der Rehe in der aktuellen Hochwassersituation.
      Wie man aktuell immer wieder in den Tagesmedien lesen kann, ist der Landkreis derzeit in der Verantwortung, alternative Wege zu finden, sowohl die Schutzwirkung des Zaunes aufrecht zu erhalten, als auch das aktuelle Tierleid zu mindern.

  5. Js

    Es ist eine sehr sachliche Darstellung der gegenwärtigen Situation und eine gute Abwägung der einzelnen Zwänge untereinander. Es wird immer wieder zu entscheiden sein, welches Schutzgut am meisten gefährdet ist (Hochwasserschutz vs. Seuchenschutz oder Seuchenschutz vs. Tierschutz oder Tierschutz vs. Markt im weitesten Sinne). Im vorliegenden Fall steht der Seuchenschutz an höchster Stelle, alle anderen Maßnahmen rangieren danach. Die Situation ist komplex und es musste im Fall des positiven ASP-Fundes schnell gehandelt werden. Dabei werden auch Fehler gemacht, z.B. dass der Zaunverlauf auch hätte auch anders aussehen können. Aber es mussten schnell effiziente Abwehrmassnahmen (Zaun steht auf Landeseigentum, kurze Wege) ergriffen werden. Fehler sind dazu da, sie zu beheben, was der Landkreis auch macht, wie die Rehdurchlässe zeigen.
    Im Übrigen jede Flutung der Polder, mit oder ohne Zaun bringt Tierverluste. Nicht alle Tiere retten sich auf die westliche Seite der HoFriWa, einige verbleiben auch auf den höheren umfluteten Flächen im Polder. Dort sieht sie aber niemand, wie sie ggfs. bei längerem Hochwasser verhungern oder ertrinken.
    Schon mit Errichtung des Zaunes wurden Querungshilfen für Niederwild eingebaut. Man ging gemäß Expertenwissen davon aus, dass 1,20 m Höhe für Rehwild keine Hürde ist, jetzt ist man schlauer und hat unmittelbar reagiert. Es spricht für den Landkreis, sich mit der Problemen auseinander zu setzen und Lösungen zu finden. Das ist besser als das man es ausgesessen hätte.
    Nicht alle Massnahme im Leben sind populär, aber viele zweckmäßig.

    1. Lucas Löser

      Hallo Js,

      Danke für deinen Kommentar und den Einblick in eine nochmal andere Sichtweise auf das vertrackte Thema. Es freut mich, dass unsere Bemühungen eine umfangreiche Darstellung zu liefern, dir gefallen.

      Liebe Grüße,
      Lucas

    2. Andrea Zillmann

      Welche Tiere nehmen denn die Querungshilfen an?
      Wie lange wollen die Entscheidungsträger noch warten, bis erkannt wird, dass die Durchlässe und Treppen das große Problem des Wildtiersterbens im eingezäunten Überflutungsgebiet eben nicht lösen werden?
      Was ist denn mit den Wildschweinen, sollen sie ertrinken?
      Was ist mit der potentiellen Gefahr der ASP Ausbreitung im Wasser?
      Wer kontrolliert das alles?
      Diese Konflikte gäbe es erst gar nicht, wenn der Zaun 1000 Meter weiter im Landesinneren errichtet worden wäre, wie es der Nationalpark vorgeschlagen hat.
      Dann hätten doch die Tiere eine rellere Überlebenschance.
      Oder sehe ich das falsch?

  6. Andrea Zillmann

    Lieber Lukas,
    danke für deine Bemühungen, das komplexe ASP Thema mit Fakten anzureichern.
    Ich hätte ein paar rhetorische Fragen als Gedankenanregung oder zur konstruktiven Diskussion:
    1.) ASP Einzug aus Polen Einhalt gebieten:
    Die ASP breitet sich im Normalfall ca.20 km im Jahr aus, Sprunginfektionen sind dagegen nicht einzuschätzen
    Wäre nicht ein gesellschaftliches Umdenken, z.B im Konsumverhalten und systemisches Umlenken, z.B. in der Landwirtschaft notwendig, um die ASP wirklich aufzuhalten, ganz zu schweigen von den mangelhaften Hygienemaßnahmen im Straßenverkehr, Tourismus und genereller sorgsamerer Umgang in ASP Gebieten usw.?
    Dein Beispiel mit dem Schweizer Käse finde ich sehr passend dazu.
    2.)“Haus-und Wildschweine werden in diesen Gebieten intensiv untersucht“
    Wie ist das gemeint? Wie werden die Wildschweine intensiv untersucht?
    3.)Gibt es eine Quellenangabe zu der Annahme, dass in dem Nationalpark Unteres Odertal wegen der Schutzbedingungen eine höhere Wildschweinpopulation vorkommt? Im Vergleich zu welchen anderen Gebieten?
    4.)“Tierleid durch ASP, in dessen Anbetracht sind die toten Rehe Sarkasmus…“
    Was ist denn mit den Wildschweinen in dem eingezäunten Gebiet?
    Wer kontrolliert sie, werden sie alle wohlwissend der drohenden Überflutung ertrinken?
    Das wäre ein von Menschen erzeugtes Tierleid. Warum wird darüber nicht berichtet oder diskutiert?
    Sollen die (medial wirksamen) toten Rehe möglicherweise davon ablenken, dass die Wildschweine sich selbst überlassen werden im Hochwasserfall?
    Was ist mit der potentiellen Gefahr der ASP Ausbreitung im Wasser?Welche Rolle spielen dann zusätzlich die Aasfresser?
    5.)Zaunversetzung, wer möchte so einen Zaun auf seinem Grundstück
    Regelt das nicht das geltende EU (Seuchschutz) Recht?
    Ein Landwirt muss diesen Zaun auch in Kauf nehmen, ob er will oder nicht.
    6.)Thema Monition
    Die ist doch überall an der Grenze oder?
    7.) Ausweichstellen im Zaun eingerichtet
    Wo?Mir sind bisher keine bekannt.

    Des weiteren frage ich mich, warum Deutschland nicht an einem Impfstoff forscht.
    Für den Hausschweinebestand ist dieser laut FLI nicht notwendig, da die ASP dort wohl kaum eine Rolle spielt und wirtschaftlich uninteressant ist, da es daraufhin Handelseinschränkungen gäbe.Diesen Sachverhalt finde ich sehr bedenklich…ist das Tierleid der Wildschweine dann vor dem Hintergrund nur vorgeschoben?
    Sind die Wildschweine es nicht wert, dass an einem Impfstoff geforscht wird oder habe da nur etwas falsch verstanden?
    Um was geht es hier wirklich?
    „Nur“ um den Export aus ASP freiem Land?
    Will man den Wildschweinen den schwarzen Peter zuschieben, wofür vordergründig der Mensch verantwortlich ist?
    M.E.braucht das ASP Thema eine demütigere Einstellung des Menschen der Natur gegenüber.
    Wir tun so, als würden wir die Natur und das Lebensprinzip verstehen und wollen alles unter Kontrolle haben.
    Doch können wir das wirklich?
    Danke und liebe Grüße Andrea

    1. Lucas Löser

      Hallo Andrea,
      Danke für deinen Kommentar und für die angesprochenen Punkte. Wir versuchen mal mit etwas „Schwarmwissen“ kurz auf alles einzugehen, ohne etwas zu vergessen:

      1) Ja, ohne Frage. Meine persönliche Meinung (Lucas) entspricht auch dem und die angesprochenen Punkte sind leider zum Teil auch lange bekannt. Trotzdem wollten wir das nicht in den Beitrag aufnehmen, weil wir dann eine weitere Diskussionsebene, nämlich die subjektive Einstellung, haben. Und dann diskutieren wir an noch mehr Enden als wir es eh schon alle tun bei diesem Thema.

      2) Hier gibt es Informationen zur Allgemeinverfügung zum Untersuchen der Tiere:

      https://www.uckermark.de/PDF/Tierseuchenallgemeinverfügung_zur_Bekämpfung_der_Afrikanischen_Schweinepest_bei_Wildschweinen_vom_05_08_2021.PDF?ObjSvrID=2203&ObjID=5612&ObjLa=1&Ext=PDF&WTR=1&_ts=1629451045

      3) Hier ein etwas älterer Artikel, aber er zeigt ja doch relativ stark, dass es im betreffenden Gebiet durchaus eine sehr hohe Population gibt.
      https://www.moz.de/lokales/schwedt/wildschweine-wuehlen-deiche-kaputt-48495280.html

      4) Ich denke es ist schwierig hier Tierleid gegen anderes Tierleid abzuwiegen. Das ist eine Situation, in der man entweder kapituliert, oder trocken Zahlen anschaut. Über indirekte Tier-Tier-Kontakte wird die Krankheit natürlich auch übertragen, was wir versucht haben im Aufklapptext zur Übertragung kurz anzuschneiden, ohne dabei den Rahmen zu sprengen. Über die Übertragung direkt durch Gewässer ist mir nichts bekannt und da möchte ich nicht mutmaßen. Die Frage ist natürlich berechtigt und kam bei uns auch schon auf, aber bisher wird in den einschlägigen Quellen darauf nicht verwiesen.

      5) Nach unserem Wissen ist das vom Bund geregelt und nicht von der EU. Ob das in diesem Fall erlaubt ist, weiß glaube ich keiner so richtig. Ich denke, dass hier erstmal der einfache Weg gegangen wurde, der diese potenziell vor Gericht austragbare Entscheidung umgeht.

      6) Es ist natürlich davon auszugehen, dass hier Munitionsreste aus dem Krieg ein wichtiges Thema sind. Ich würde pauschal davon ausgehen, dass das dem LK natürlich bekannt ist und entsprechende Vorkehrungen damals bei der Konstruktion des Deiches bereits getroffen wurden und jetzt dieser Vorteil genutzt wird, also in der Nähe des Deiches selbst die Gefahr noch Munitionsreste zu finden geringer ist. Genauer kenne ich mich da auch nicht aus und da müsste man evtl eine Anfrage an zuständige Behörden bemühen.

      7) Hier ist ein Artikel vom rbb, der den aktuellen Beschluss zu den Schlupflöchern zusammenfasst. Der Artikel ist vom 12.01.22, also noch frisch.
      https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/panorama/2022/01/verlaengerung-jagdzeit-allgemeinverfuegung-brandenburg.html

      Auch zum Impfstoff kann ich nicht viel sagen. Ich möchte da gerade ungern Halbwissen wiedergeben. Ob es an der Wissenschaft scheitert, oder am Wirtschaftsinteresse weiß ich nicht.
      Das Ganze ist natürlich eine schwierige Situation

      Danke noch einmal für deinen umfangreichen Kommentar.
      Liebe Grüße, das Uckermark-Blog-Team.

      1. Andrea Zillmann

        Lieber Lucas, liebes Blog Team, danke für euer Schwarmwissen und die Antworten.
        Hier die Studien zum Thema Wasser und ASP:
        https://www.3drei3.de/artikel/fur-eine-infektion-durch-wasser-oder-futter-erforderliche-aspv-menge_2493/

        https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/25/5/18-1495_article

        Faktisch kann die ASP sogar von Fliegen mechanisch übertragen werden.
        Also es scheint wirklich m.E. eine never ending story zu werden, wenn der Mensch nicht gänzlich anfängt umdenken. Ist nur meine Meinung…
        Danke für eure Bemühungen einer sachlich geführten Diskussion.
        Liebe Grüße Andrea

        1. Lucas Löser

          Hallo Andrea,

          Danke für die Quellen. Das ist tatsächlich ein Faktor den ich so nirgends weiter gefunden habe, obwohl die Veröffentlichung schon von 2019 ist. Warum weiß ich leider nicht- dazu müsste man dann vermutlich doch aktiv arbeitender Experte auf dem Gebiet sein. Ich sehe die Veröffentlichung auch mit gemischten Gefühlen: Es ist natürlich eine zu erwartende Katastrophe, dass das Wasser hier eine Rolle spielt und dadurch dann wirklich eine „never-ending story“. Allerdings kann das hohe Durchflussvolumen von fließenden Gewässern hier ja auch eine Hilfe sein um die Kontamination unter den Schwellenwert zu bringen, was von den AutorInnen hier ja zumindest indirekt angedeutet wurde indem sie das Futter als Risikofaktor höher gewichten, weil es als Ereignis immer wieder auftritt und sich nicht nach „x“ Stunden verdünnt. Auf jeden Fall ist hier natürlich nochmal ganz stark zu betonen, dass infizierte Kadaver von Wasserquellen ferngehalten werden sollten.

          Danke nochmal für deinen Input- das war eine Frage die mir bisher unbeantwortet blieb.

          Grüße, Lucas

        1. Lucas Löser

          Die Quelle habe ich an anderer Stelle bereits diskutiert (darauf von hier zu verweisen immer etwas schwierig wg. WordPress, darum hier das Original dazu https://wwwnc.cdc.gov/eid/article/25/5/18-1495_article). Das hatte Andrea bereits gepostet. Ich habe abseits dieser Quelle (und die ist wirklich schon 2-3 Jährchen alt) davon nichts weiter gehört, was mich etwas verwundert. Warum, kann ich nicht einschätzen- es klingt ja theoretisch „groundbreaking“. Wichtig ist hier, dass die Versuche durchgeführt wurden, indem das Trinkwasser der Schweine kontaminiert wurde. Also ein abgeschlossenes, stilles System ohne aktives Durchflussvolumen. Ich sag hier einfach mal das gleiche was ich bei Andrea schon gesagt habe weiter unten: Ich hoffe sehr, dass uns der Verdünnungseffekt hier hilft, weil es ansonsten wirklich ein Problem wäre.

          Grüße Lucas

  7. Birgit Bader

    Liebe Autoren und Autorinnen, liebe Leute, die ihr kommentiert,
    dieser blog hier ist die beste Möglichkeit, mich grundlegend und ausführlich zu informieren. Nicht nur durch den Artikel, sondern auch durch die vielen weiterführenden Diskussionsbeiträge. Vielen Dank dafür. In den verschiedenen Gremien des Kreistags wird zwar regelmäßig informiert und es werden auch Nachfragen beantwortet, trotzdem herrscht immer ein gewisser Zeitdruck. Auf meine Frage im Spätsommer, wie lange der Zaum stehen müsste, erhielt ich die Antwort, dass es mehrere Jahre dauern würde, bis ein Impfstoff entwickelt und die Wildschweine geimpft werden können (aus der Luft, durch Futter). Erst nach erfolgreicher Impfung könnte der Zaun abgebaut werden. Ich bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen anzuzweifeln, ob überhaupt an einem Impfstoff geforscht wird. Da werde ich jetzt nachhaken. Ansonsten bin ich der Meinung, dass die ASP nur eine von vielen Seuchen ist, die die wir als Folge unseres Lebenswandels „ernten“. Viele Grüße, Birgit

  8. Cordula

    Auch dies ein Statement in ultimativer Tonalität, welches nicht standhält: „Durch die Ungestörtheit konnte sich der Wildschweinbestand hier teils so stark erhöhen, dass die Tiere die Deiche umgegraben und somit die Standfestigkeit und Schutzfähigkeit unterminiert haben.“ Prof. Marco Heurich, Projektleiter des Wildschweinmonitoring im Nationalpark Bayerischer Wald, kann dazu noch nicht so viel sagen. Deshalb forscht er noch. https://www.youtube.com/watch?v=7_0WzOLPrAs

      1. Cordula

        Ich habe mich auf die „Ungestörtheit“ der Wildschweine im Schutzgebiet bezogen, die allein als Ursache für die Überpopulation der Wildschweine genannt wird. Diese Argumentation halte ich für falsch und zumindest für nicht belegt. Viele ExpertInnen sehen die Ursachen überwiegend in der großflächigen industriellen Landwirtschaft, insbesondere im Maisanbau, der Wildschweinen ideale Ernährungsbedingungen und zusätzlich Deckung bietet.

        1. Lucas Löser

          Okay, dann habe ich dich jetzt verstanden. Ich gebe dir da insofern Recht: Die „ultimative Tonalität“ ist nicht angebracht, weil natürlich auch die Landwirtschaft und „Verfälschung“ der Lebensräume hier Einfluss hat. Ich denke dennoch nicht dass es „falsch“ ist. Lediglich unvollständig. Ich ergänze auch hier eine Klammer – Danke für den Input!

          Grüße Lucas

      2. Cordula

        Hinsichtlich des Deichschutzes kann ich Dir folgen. Der Überpopulation der Wildschweine sollte auch meiner Meinung nach Einhalt geboten werden. Dies ist, glaube ich, Konsens, sowohl hinsichtlich der Deiche als auch hinsichtlich der Verbreitung der ASP. Kurz- und mittelfristig kann dies durch verstärkte Bejagung erreicht werden, langfristig jedoch nur durch eine Umstrukturierung unserer Art, Landwirtschaft zu betreiben.

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